Wirecard: Ändert diese Nachricht jetzt alles?

Erste Gerüchte gab es bereits gestern Abend. Da hatte die Nachrichtenagentur Bloomberg berichtet, dass der japanische Technologiekonzern Softbank über einen Einstieg beim deutschen Zahlungsdienstleister Wirecard nachdenken würde. Die Wirecard-Story hatten wir hier und in unseren Börsenbriefen schon ausführlich beschrieben und uns entsprechend, wenn auch unter sehr spekulativen Prämissen, positioniert.

Dabei versprach diese Woche besonders spannend zu werden. Denn am vergangenen Donnerstag hatte die Finanzaufsicht BaFin ihr Leerverkaufsverbot für die Wirecard-Aktien nach einer zweimonatigen Sperre aufgehoben. Mit einem doch recht überraschenden Ergebnis am Markt...


Doch keine neuen Short-Attacken?

Denn die Aktie von Wirecard startete nach dem langen Oster-Wochenende erst einmal mit kräftigen Verlusten in den Börsenhandel. Um bis zu 8% ging der Aktienkurs in die Knie, konnte sich aber im Handelsverlauf nicht nur erholen, sondern am Ende des Tages mit einem Plus von 2,8% sogar als zweitbester DAX-Wert aus dem Handel gehen. Doch erst nach Börsenschluss platzte die eigentliche Bombe.

Denn da veröffentlichte, wie eingangs beschrieben Bloomberg, die Meldung, dass Softbank einen Einstieg bei Wirecard plane. Verifiziert werden konnte dies zwar noch nicht, elektrisierte allerdings trotzdem schon einmal die Anleger. Das wichtigste aber: Am Mittwochmorgen wurde aus der Spekulation Gewissheit.

Wirecard gewinnt wichtigen Partner

Denn Wirecard gab offiziell bekannt, dass man eine verbindliche Grundsatzvereinbarung mit Softbank über ein Investment geschlossen habe. Dabei geht es um eine Gesamtsumme von rund 900 Millionen Euro. Softbank wird dafür eine Wandel-Schuldverschreibung zeichnen, mit der die Japaner nach fünf Jahren zu einem Wandlungspreis von 130 Euro insgesamt rund 6,9 Millionen Wirecard-Aktien übernehmen könnten. Das entspricht einem derzeitigen Anteil am Aktienkapital von ca. 5,6 %.

Doch geht es nicht nur um eine Kapitalbeteiligung, sondern auch um die Möglichkeit einer operativen Zusammenarbeit. Zwar gibt es bislang hierzu nur ein sogenanntes Memorandum auf Understanding, also eine unverbindliche Absichtserklärung, dass man bei digitalen Zahlungslösungen zusammenarbeiten möchte. Doch darf davon ausgegangen werden, dass sich daraus höchst interessante – und vor allem globale - Projekte ergeben werden. Softbank selbst ist schon seit Jahren im Bereich von Zahlungslösungen unterwegs, sorgte beispielsweise im vergangenen Jahr für Aufsehen mit der Meldung, an einer eigenen Zahlungslösung auf Blockchain-Basis zu arbeiten.

Jetzt muss noch die Bilanz-PK überzeugen

Wichtig für Wirecard: Mit dieser Meldung nur einen Tag vor der Bilanzvorlage des Geschäftsjahres 2018 geht das Unternehmen natürlich mit kräftigem Rückenwind in die entsprechenden Investorenpräsentationen. Das dürfte zwar nicht verhindern, dass sich das Management kritischen Fragen stellen muss, wie es in Zukunft solche Shortattacken wie in den letzten Monaten aufgrund auch intransparenter Strukturen verhindern will. Doch dürften die Gesamteinschätzungen zu Wirecard  unter den neuen Bedingungen wohl deutlich freundlicher ausfallen und der Aktie weiteren Aufwind geben.

Fazit: Wir würden aktuell trotz der Kursaufschläge aus charttechnischen Erwägungen erst einmal bei unserer Halten-Empfehlung bleiben. Weitere Käufe kämen für uns oberhalb von 135 Euro infrage.