Netflix: Muss man sich wirklich Sorgen machen?

Mit Spannung hatte der Markt die Zahlen von Netflix zum ersten Quartal erwartet. Denn dem derzeit grössten Videostreaming-Anbieter bläst schon länger der Wind des Wettbewerbs scharf ins Gesicht und die Intensität dürfte nur noch zunehmen. Erst vor wenigen Tagen hatte auch der Entertainment-Gigant Disney angekündigt, ein neues Streaming-Angebot auf die Beine stellen zu wollen. Damit hat es Netflix nicht nur mit bisherigen Rivalen wie Amazon und Hulu zu tun, sondern zukünftig auch mit Disney und Apple, die ebenfalls ein Streaming-Angebot aufbauen.

Kein Wunder, dass auf den ersten Blick Anleger und Analysten nach dem berühmten Haar in der Suppe suchten - und auch fanden. Denn für das laufende zweite Quartal wie auch für das Gesamtjahr hat Netflix seine Wachstumserwartungen bei zahlenden Nutzern zurückgeschraubt. So rechnet die Firma für dieses Quartal im US-Markt nur noch mit einem Nettozuwachs von rund 327.000 Kunden. Die bisherige Prognose lag bei 698.000. International rechnet Netflix mit einem Plus von 4,8 Millionen statt bislang erwarteter 5,5 Millionen...


Besser als erwartet

Dennoch: Schaut man sich das Gesamtbild von Netflix an, bleibt ein positiver Gesamteindruck. Das bezieht sich auch auf die Q1-Zahlen, denn Netflix konnte im Auftaktquartal in den USA netto 1,7 Millionen Kunden hinzugewinnen. Hier hatte der Markt nur mit einem Plus von 1,6 Millionen gerechnet. International legten die Nutzerzahlen um 7,9 Millionen (erwartet 7,3 Millionen) zu. Und auch bei Umsatz und Gewinn konnte Netflix kräftig zulangen. Im Jahresvergleich erhöhte sich der Umsatz im ersten Quartal um mehr als 42 % auf 4,5 Milliarden Dollar. Beim Gewinn schaffte Netflix ein Plus um 18,6 % auf 344 Millionen Dollar. Diese Werte lagen deutlich über den Erwartungen.

Für den weiteren Ausblick wichtig: Netflix verfügt über eine starke Preismacht. Zwar wollen die neuen Konkurrenten wie Disney mit Kampfpreisen antreten. Doch Netflix  leistet es sich, besonders in den Schwellenländern weiter an der Preisschraube zu drehen. Das könnte die absehbare Abflachung des Kundenwachstums deutlich überkompensieren. Damit würde auch die kurzfristig zu erwartende Abwanderung von Kunden bzgl. Preiskampf nur überschaubaren Einfluss haben.

Der Aktie fehlt noch neue Dynamik

Hinsichtlich der weiteren Aktienperformance bleibt es allerdings spannend. Nach den kräftigen Kursgewinnen zum Jahresanfang hatte die Aktie deutlich an Dynamik verloren und bewegt sich seit Anfang März in einer Seitwärtsbewegung zwischen rund 345 Dollar und 370 Dollar. Bei 385 Dollar liegt dabei der nächste Widerstand. Ob die Q1-Zahlen einen Impuls liefern, um hier nach oben auszubrechen, darf bezweifelt werden. Aber sie dürften auch keinen grösseren Abgabedruck erzeugen. Insofern muss Netflix darauf hoffen, dass sich die gesamte Marktlage weiter aufhellt und auch die eigene Aktie nach oben spült. 

Unsere bisherige Kaufempfehlung im ZT stufen wir aktuell auf Halten herunter.