Tesla: Grosse Erwartungen

Die nächsten Tage könnten für den amerikanischen E-Auto-Pionier Tesla entscheidend werden - wieder einmal. Denn gleich zwei Themen stehen auf dem Programm. So will Tesla morgen sein heiss diskutiertes Model Y in Los Angeles vorstellen. Dabei handelt es sich um einen SUV, der rund 10 % grösser ist als das Model 3.

Mit dem Model Y verbinden sich im Markt nicht nur viele Erwartungen, was Technik und Ausstattung angeht. Es dürfte auch eine Rolle spielen, dass mit der Vorstellung des SUV das Langfrist-Projekt S3XY (Models S, 3, X und Y) nun seine Vollendung findet. Allerdings dürften die Fragen im Markt nicht weniger werden. Dies gleich zu Beginn, da der SUV, dessen Fertigungsbeginn frühestens 2020 sein soll und rund 10 % mehr kostet als Model 3 mit etwas weniger Reichweite...


Wie viel kann Tesla tatsächlich absetzen?

Ebenfalls Fragen bestehen hinsichtlich der geplanten Absatzmengen. Bisher hat Tesla-CEO Elon Musk erklärt, dass er für das Model 3 jährliche Nachfragen von 700.000 bis 800.000 Stück pro Jahr erwarte, für das Model Y soll die potenzielle Nachfrage doppelt so hoch ausfallen. Das könnte durchaus realistisch sein, da Tesla mit dem Model Y vor allem Kunden in den USA anspricht, die immer stärker von Limousinen auf SUV umsteigen.

Dass der Markt sich angesichts der erwarteten Präsentation noch zurückhält, hängt sicherlich daran, dass noch nicht sehr viele Details über das neue Fahrzeug bekannt sind. Aber natürlich wirken auch noch andere Problemfelder hinein. Ganz unabhängig davon, dass Vorstandschef Musk weiterhin mit seinem Auftreten kritisch diskutiert wird, stecken nach wie vor grosse Wachstumsrisiken im Tesla-Geschäft.

China als Knackpunkt

Gerade das Reich der Mitte gilt als wichtiger Absatzmarkt, auf dem sich Tesla aber besonders vieler und starker Konkurrenz erwehren muss. Deshalb soll auch das Produktions-Projekt (Gigafactory 3) in Shanghai vorangetrieben werden. Seit Jahresbeginn wird am Fundament gearbeitet, doch war eine weitere Finanzierung bislang unklar. Das soll sich nun ändern, nachdem erst vor wenigen Tagen endlich ein chinesisches Bankenkonsortium einen Kredit von bis zu 3,5 Milliarden Yuan, umgerechnet rund 500 Millionen Dollar, freigegeben hat. Aus Regierungskreisen ist zu hören, dass die Fabrik bereits im Mai die Produktion aufnehmen könnte. Das klingt allerdings extrem ambitioniert.

Eine weitere Frage, die gelöst werden muss, ist die nach den zu verbauenden Batterien. Nachdem der bisherige Batterielieferant Panasonic nicht in der Lage ist, in China zu produzieren, muss sich Kessler nach neuen Lieferanten umschauen. Besonders heiss im Gespräch ist der Hersteller Contemporary Amperex Technology Co. Limited (CATL). Hier wurde in Medien schon eine Einigung für einen Liefervertrag verkündet, gestern allerdings von CATL erst einmal wieder dementiert. Sollte hier eine entsprechende Vereinbarung offiziell werden, könnte das auch für die Tesla-Aktie positiv sein.

Aktie bleibt riskant

Fazit: Derzeit muss Tesla auf vielen Hochzeiten tanzen mit etlichen Risiken für Rückschläge. Deshalb sollten Anleger wohl hier auch noch weiter Vorsicht walten lassen. Immerhin: Der befürchtete Rücksetzer nochmals auf den Boden bei 250 Dollar scheint die Aktie wohl vermeiden zu können. Charttechnisch gesehen ist sie dennoch noch längst nicht aus der Gefahrenzone heraus.

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