Autohersteller: Ein weiteres Risiko abgeräumt?

Der Dieselskandal geht nunmehr in die letzte Runde. Nach gut zweijähriger Ermittlung wirft die EU-Kommission BMW, Daimler und VW illegale Absprachen bei Abgasreinigungssystemen vor. Nun stellt sich die Frage, ob dies die Aktienkurse noch einmal unter Druck setzen wird oder nicht. Zur Erinnerung:

Es ging um den Verdacht, dass sich die Hersteller über Jahre hinweg illegal abgesprochen hatten. Konkret geht es um Absprachen über die Größe und den Einführungszeitraum sogenannter SCR-Katalysatoren für Diesel-Pkw sowie die Entwicklung von Partikelfiltern für Benziner. Es wurde ein formales Kartellverfahren eröffnet und das Ergebnis lautet nun, dass die drei Hersteller die eingeschränkte Entwicklung und Einführung von Abgasreinigungstechnologien für neue Diesel- und Benzin-Pkw im europäischen Wirtschaftsraum abgesprochen und damit gegen das EU-Wettbewerbsrecht verstoßen haben...


Daimler und VW kooperierten

Daimler und VW haben jetzt einen Vorteil. Denn beide hatten bereits Ende 2017 ihre Tätigkeiten in dieser Frage eingeräumt und sich bei der EU als Kronzeugen gemeldet. Die Stuttgarter wendeten sich offensiv an die Kartellbehörden und beantragten den Status als Kronzeuge und damit Bußgeldimmunität. Auch VW erkannte rasch durch Erkenntnisse in internen Ermittlungen, dass der Verdacht nicht gänzlich unbegründet ist, und reichte ebenfalls einen Kronzeugenantrag ein.

Zumindest VW zeigte sich erleichtert, dass die Kommission keine Anhaltspunkte dafür sieht, "dass es eine Verbindung zwischen diesem Verfahren und den Vorwürfen hinsichtlich unzulässiger Abschalteinrichtungen gibt". Auch die EU Kommission weist darauf hin, dass ihre Ermittlungen getrennt von denen verschiedener Staatsanwaltschaften erfolgten. Daimler rechnet nicht mit einem Bußgeld, da frühzeitig und umfassend mit der Europäischen Kommission als Kronzeuge kooperiert wurde.

Was bedeutet dies alles für die Aktien? 

Sollte die EU-Kommission auch nach der Stellungnahme der Konzerne an den Vorwürfen festhalten, droht zumindest BMW eine hohe Geldbuße, da der Konzern sich seinerzeit nicht als Kronzeuge gemeldet hatte. Daimler kann auf Bußgeldfreiheit hoffen und VW zumindest auf einen Rabatt wegen Kooperation. In Zahlen: Die Kommission kann bis zu 10 % des Jahresumsatzes als Strafe verhängen; BMW erlöste zuletzt 97,5 Mrd. Euro, während es bei VW 236 Mrd. Euro und bei Daimler 167 Mrd. Euro waren.

Fazit: VW und Daimler bleiben unverändert ein Kauf, während wir bei BMW erst einmal abwarten, wie auch die Quartalsergebnisse und der Ausblick ausfällt.