E-Mobilität: Neue deutsche Beweglichkeit

Die Umwälzungen im deutschen Automobilesektor gehen gleich mehrfach in eine weitere Runde. So steht DAIMLER offenkundig kurz vor einer weiteren Kooperation mit GEELY, dem Autokonzern ihres chinesischen Großaktionärs (9,7 %) Li Shufu. DAIMLER will die Hälfte seiner Kleinwagenmarke Smart an GEELY verkaufen und nach Informationen der „Börsen-Zeitung“ soll die Transaktion in den nächsten Tagen, auf jeden Fall aber vor der Automesse in Schanghai Mitte April eingetütet werden. 

Bereits im Oktober hatten die beiden Marken für das laufende Jahr ein gleichberechtigtes Joint Venture für Luxusfahrdienste in China mit Mercedes-Modellen angekündigt.

Damit zieht DAIMLER einen ersten Strich unter das Projekt „Smart“. 2018 wurden weltweit 128.802 Einheiten verkauft, ein Rückgang zum Vorjahr um 4,6 %. Ein Grund für den Rückgang waren unter anderem Lieferverzögerungen bei den Elektroversionen, nachdem es Schwierigkeiten mit dem Zelllieferanten LG Chem und anschließend mit der Batterie gegeben hatte...


China setzt auf Kleinwagen

Ganz anders das Bild bei GEELY. Die Chinesen stellen einige der meistverkauften E-Autos in China her und planen bis 2020 mit 30 neuen E-Modellen. Bereits im Februar erhielt GEELY die Importfreigabe der US-Behörden für ein Modell der Tochtermarke Kandi. Interessant: Das reine E-Auto sieht dem Smart durchaus ähnlich. Es soll US-Medienberichten zufolge für weniger als 20.000 Dollar verkauft werden. Auch im Leitmarkt für E-Mobilität, China, sind die meistverkauften E-Autos Kleinwagen.

Zwischen den Zeilen dürfte klar sei, was hier gerade passiert: Die Chinesen, im Vorteil, weil sie buchstäblich auf der grünen Wiese anfangen, ziehen sich immer mehr das Geschäft mit E-Autos an Land und bauen ihren regionalen Vorteil Schritt für Schritt aus. Der einzige deutsche Hersteller, der bislang den Mut hat, mit einer eigenen Palette Schritt zu halten, ist VOLKSWAGEN:

Volkswagen hat einen Plan

Mit Vorlage der Ergebnisse für SEAT wurde durch VW-Chef Diess hier denn auch gleich die Perspektive für die spanische Marke bekanntgegeben.

So wird SEAT im Konzern nun die führende Rolle bei der Entwicklung der Elektrofahrzeuge und der E-Mobilität einnehmen und zusammen mit VW die neue Plattform für Elektrofahrzeuge entwickeln, die allen Marken der Gruppe dienen soll. Ziel wird es, E-Autos zu einem Preis unter 20 000 Euro zu produzieren. Zudem wird am Standort in Katalonien auf Technologieentwicklung im Softwarebereich gebaut. Dafür wurde bereits unlängst ein neues Technikzentrum in Barcelona ins Leben gerufen. Die Idee: Mit seiner hohen Lebensqualität ist die katalanische Metropole besonders gut geeignet, um Ingenieure und IT-Entwickler anzulocken.

Fazit: Es bewegt sich in diesem Jahr viel zu diesem Thema. Ob wir DAIMLER nun neben VOLKSWAGEN auch auf die Kaufliste setzen, werden wir in der kommenden Ausgabe des „Zürcher Trend“ entscheiden, denn obgleich die Stuttgarter sich nun auch bewegen, ist noch unklar, wie tiefgreifend der Richtungswechsel ausfällt und ob die Börse hier schon Vorschusslorbeeren verteilt.