Wirecard: Auf dem Weg zur Entscheidung?

Beim deutschen Zahlungsdienstleister Wirecard schaut alles gebannt auf den morgigen Tag. Denn dann läuft offiziell das bisherige Leerverkaufsverbot der deutschen Finanzaufsicht ab. Allerdings erst nach Börsenschluss, was bedeutet, dass es erst nach dem langen Oster-Wochenende so richtig spannend werden könnte. Allerdings besteht auch noch die Möglichkeit, dass die BaFin das Verbot verlängert. Ein Indiz könnte dafür sein, dass nun auch offiziell Anzeige bei zuständigen Münchner Staatsanwaltschaft wegen des Verdachts auf Marktmanipulation gestellt wurde. 

Gegen wen konkret, ist bislang nicht bekannt. Doch genau so, wie das Leerverkaufsverbot für eine einzelne Aktie ungewöhnlich war,. So könnte die BaFin womöglich befürchten, dass bis zu Klärung des Sachverhaltes neue Attacken möglich sind. Das würde für eine Verlängerung des Verbots sprechen.

Doch auch, wenn die BaFin das Leerverkaufsverbot verlängert, könnte es in den nächsten Tagen wieder grösseren Druck auf die Wirecard-Aktie geben. Dies aus zwei Gründen:...


Missglückter Börsengang

Zum einen gibt es aus der Branche der Zahlungsdienstleister schlechte Nachrichten. Der mit Spannung erwartete Börsengang des italienischen Zahlungsdienstleisters Nexi ist gründlich schief gegangen. Nachdem die Aktie gestern mit einem Ausgabepreis von 9 Euro in Mailand erstmals notiert wurde, sackte sie ziemlich schnell unter den Einstandskurs und ging mit einem Minus von 6 % aus dem Handel. 

Das Besondere an Nexi: Dieser Börsengang sollte eigentlich der bislang grösste in diesem Jahr eines Unternehmens in Europa sein. Doch am Ende konnte Nexi nur rund 2 Milliarden Euro einsammeln und damit deutlich weniger als erwartet. Das könnte auch für andere Aktien aus diesem Bereich schlechte Stimmung bedeuten, auch wenn sich Nexi heute leicht freundlicher zeigt.

Charttechnik mit Tücken

Ein weiterer Grund: Die Charttechnik. Denn Wirecard befindet sich mit dem heutigen deutlichen Kursplus auf direktem Weg hin zur nächsten Widerstandzone bei rund 126 bis 128 Euro. An dieser war Wirecard in diesem Jahr faktisch schon dreimal gescheitert, auch wenn man hier kurzzeitig drüber schauen konnte. Möglich, dass dieser Bereich insbesondere für die Shortseller eine besondere Bedeutung hat und deshalb so umkämpft ist. Jedenfalls ist es nicht ausgeschlossen, dass bei einem erneuten Scheitern an dieser Barriere nach den vorangegangenen Gewinnen erst mal stärker Geld vom Tisch genommen wird.

Fazit: Wirecard bleibt ein sehr spekulatives Investment. Möglich, dass die für den 25.4.2019 anberaumte Bilanz-PK den nötigen Schlussstrich unter die Singapur-Affäre ziehen kann. Zuvor sollten Anleger aber eher defensiv aufgestellt bleiben. Nachkäufe zu vorhandenen Positionen sind also noch nicht angezeigt.