Steinhoff International: Wo kommt noch Geld her?

Beim südafrikanischen Möbelhändler mit deutschen Wurzeln Steinhoff International könnte die Bilanzaffäre nun in ihre finale Etappe gehen. Denn spätestens im April will der Konzern den Prüfbericht der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft PricewaterhouseCoopers zu den Geschäftsjahren 2017-2018 veröffentlichen. Die Wirtschaftsprüfer sollen nach Auskunft von Steinhoff derzeit an den letzten Details arbeiten und wahrscheinlich in zwei Wochen ihr Ergebnis dem Unternehmen vorlegen. 

Firmenchef Louis du Preez hatte angekündigt, möglichst zügig diesen Bericht auch dem Markt zugänglich zu machen. Damit könnte dann der Schlusspunkt unter die Affäre gesetzt werden. Der Konzern wäre 2017/18 fast zusammengebrochen, nachdem bekannt wurde, dass man die eigenen Vermögenspositionen künstlich nach oben getrieben hatte. So wurden beispielsweise Markenrechte zu hoch bewertet, zu hohe Preisaufschläge bei Firmenkäufen bilanziert und Immobilien hin und her geschoben...


Endlich Gewissheit?

Nachdem die ganze Sache aufflog, musste Steinhoff mehr als 10 Milliarden Euro abschreiben und wies ausserdem massive Verluste im operativen Geschäft aus. Nur durch Notverkäufe unter anderem der deutschen Beteiligung Poco und der österreichischen Marke Kika/Leiner und Stillhalteabkommen mit den Gläubigern konnte sich der Konzern über Wasser halten.

Nun dürfte demnächst klar werden, wie hoch die finanziellen Lasten insgesamt ausfallen. Das würde Gläubigern und Anlegern deutlich mehr Sicherheit geben und wohl auch die Einstufung der Aktie am Markt höchstwahrscheinlich positiv beeinflussen. Zumal die jüngsten Ergebnisse aus dem operativen Geschäft durchaus Spielraum für Hoffnung lassen.

Steinhoff mit überraschend guten Zahlen

Lange Zeit war befürchtet worden, dass der Skandal die Kunden vertreibt. Mit den nun veröffentlichten Umsatzzahlen für das vierte Quartal 2018 wird zumindest in einigen Teilen der Gegenbeweis angetreten. Insgesamt schaffte Steinhoff im Berichtszeitraum ein Umsatzplus von 3 % auf 4,691 Milliarden Euro. Federführend dabei war das südafrikanische Geschäft der börsennotierten Tochter Pepkor, deren Umsatz um 6 % auf 1,198 Milliarden Euro ansteigen konnte. Ebenfalls gut im Rennen lagen die europäischen Aktivitäten von Pepkor, die sich um 15 % auf 993 Millionen Euro verbessern konnten. Profitabilitätszahlen wurden allerdings nicht bekannt gegeben.

Wer könnte auf der Verkaufsliste stehen?

Obwohl sich das Geschäft bei Steinhoff augenscheinlich wieder stabilisiert hat, wird der Konzern wahrscheinlich nicht drumherum kommen, weitere Asset-Verkäufe zur finanziellen Gesundung in Betracht zu ziehen. Die südafrikanische Tochter dürfte dabei tabu sein, weil sie schlichtweg zu wichtig für den Gesamtkonzern ist. Möglichkeiten gebe es bei der 50-prozentigen Tochter MattressFirm in den USA. Folgt man aktuellen Gerüchten in französischen Zeitungen, wird allerdings die hauptsächlich in Frankreich tätige Möbelkette Conforama als heissester Verkaufskandidat genannt.

Diese macht rund 20 % des Konzernumsatzes aus. Spannend wäre besonders natürlich die Frage, wie viel Steinhoff hier als Verkaufspreis erlösen könnte. Dazu eine erste tendenzielle Überlegung. Als man Poco an XXXLutz verkaufte, bekam man für den 50-%-Anteil 266 Millionen Euro. Damit wäre Poco bei einem Jahresumsatz von 1,6 Milliarden Euro mit insgesamt 530 Millionen Euro bewertet inklusive eines Not-Abschlag.

Milliardeneinnahme möglich?

Dieser dürfte bei Conforama nun nicht mehr so zur Geltung kommen. So schätzen wir für diese Tochter mit einem Jahresumsatz von rund 3,8 Milliarden Euro einen möglichen Verkaufspreis zwischen 1 bis 1,3 Milliarden Euro. Für Steinhoff wäre dies natürlich ein signifikanter Liquiditätszufluss, um nicht nur das operative Geschäft zu konsolidieren, sondern auch die Gläubiger partizipieren zu lassen. 

Die Preisfrage muss allerdings noch offen bleiben, da hier als potentieller Übernahmeinteressent die französische Möbelkette But genannt wird, an der auch XXXLutz beteiligt ist.

Aktie läuft sich warm für Ausbruch

Unter diesen Prämissen stellt sich auch die Ausgangssituation in der Charttechnik der Aktie inzwischen deutlich interessanter dar. Denn die Aktie von Steinhoff scheint in den letzten Monaten so etwas wie eine Untertassen-Formation herauszubilden. Diese gilt als Trendwende-Formation. Speziell bei Steinhoff würden wir hier als den sogenannten Tellerrand das Niveau bei rund 0,17 Euro ansetzen, dessen Überwindung ein Kaufsignal generieren würde. Allerdings fehlen zu diesem Signal eben noch vier Cent. Für unsere Disposition im Zürcher Trend bedeutet dies konkret, dass wir vorerst weiter durchhalten und bei entsprechenden technischen Signalen auch wieder Verbilligungen ins Auge fassen.

Tags

Steinhoff