Gold und Risikomanagement

Ein Gastbeitrag von Arndt Kümpel

Zu den wichtigsten Vorteilen beim Risikomanagement von Vermögen gehört die Eigenschaft von einzelnen Vermögenswerten, sich in ihrer Wertentwicklung und -stabilität in Bezug auf einzelne Einflussfaktoren zu unterscheiden. Und so kann man sich von einer negativen Wertentwicklung umso besser schützen, je geringer der Einfluss der verursachenden Faktoren auf diesen Vermögenswert ist. Und einer der wichtigsten Einflussfaktoren auf den Finanzmärkten ist der Zins.

Wie die letzten 10 Jahre seit der Finanzkrise 2008 nun zeigen, wurde die Erkenntnis, dass man eine Schuldenkrise nicht mit noch mehr Schulden lösen kann, bei der Krisenintervention weltweit ignoriert. Ergebnis: Die Niedrigzinspolitik führte zu einer massiven Höherbewertung fast aller Vermögenswerte, da die für ihren Erwerb anfallenden Zinsen sehr lange sehr niedrig blieben. Der Anlagenotstand der verfügbaren Liquidität führte zu einer Jagd nach Rendite in allen, auch sehr illiquiden Anlageklassen und bewirkte, dass ein großer Teil der Anleger auf dem Risikoauge blind wurde.


Was die niedrigen Zinsen jedoch nicht aufheben konnten, sondern womöglich nur verstärkten, ist der Business Cycle, dem im Kern ein Kreditzyklus zugrunde liegt. Die Fallhöhe dieses Zyklus hat sich seither 2008 weltweit nochmals wesentlich erhöht, wovon sowohl Anleihe-, Immobilien- als auch Aktienmärkte profitierten. Was aber nun tun, wenn mehr oder weniger alle Alternativanlagen zinsgetrieben hohe Bewertungen aufweisen?

Wie ordnet sich Gold ein?

Nun, es sind eben nicht alle! Denn es stellt sich aus diesem Blickwinkel die Frage, wie sich Gold verhält und wie es sich auf die Risiko-Ertrags-Struktur eines Standard-Portfolios auswirkt. Eine gute Diversifizierung verringert dabei das für das Erreichen eines erwarteten Ertrages eingegangene Gesamtrisiko des Portfolios. Untersuchungen für den Zeitraum von 1972 - kurz nach der Aufhebung der Goldbindung des US-Dollars 1971 - bis 2016 ergaben, dass Gold längerfristig nur mit Rohstoffen positiv und mit Aktien und 10-jährigen US-Staatsanleihen negativ korreliert, womit die Verbesserung des Risiko-Ertrags-Profils in einem rohstofffreien Portfolio besonders deutlich ausfiele.

Berücksichtigt man nun den aktuellen Stand im Zins- und Gewinnzyklus, so ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass die jeweiligen Asset-Klassen in den nächsten Jahren geringere Erträge erwirtschaften. Denn die Ausfallwahrscheinlichkeiten vieler Anleihen sind deutlich höher als ihre Renditen anzeigen. Und Gleiches gilt insbesondere für jene Aktien, bei denen ein bedeutender Teil der Gewinne bzw. billig aufgenommener Kredite zum Kauf eigener Aktien und damit zu einem rechnerischen Gewinnanstieg verwendet wird, der nachhaltige Cashflow aus dem Kerngeschäft aber eine ganz andere Sprache spricht. Die ersten großen Bonitätsbeben wie bei General Electric in den letzten Wochen geben einen Hinweis auf das Kommende!

Wendepunkt im Blick

Es liegt damit die Vermutung nahe, dass das 5000-Jahres-Zinstief das Zyklushoch an den Anleihe- und Aktienmärkten zwar hinausgezögert hat, sich die Märkte aber nun viel näher am oberen Wendepunkt des Zyklus befinden als an seinem unteren. Und ein Blick über den gesamten Kreditzyklus macht nun sofort den hohen Bedarf nach Anlagen deutlich, die weder von einem Ausfallrisiko wie bei Anleihen noch von einem auf Kreditbasis gehebelten Gewinnzyklus wie bei Aktien abhängen.

Diese Funktion hat Gold spätestens seit der Prägung der ersten Goldmünzen im 6. Jahrhundert vor Christus über alle Kulturen und Zyklen überzeugend erfüllt. Die empirische Basis für den Gegenbeweis ist deutlich schmaler und wackeliger. Der Stresstest der Weltgeschichte, wie sich liquiditätsgesättigte Finanzmärkte im Fiatgeld-System am Ende eines 35 Jahre dauernden Zinsabwärtstrends verhalten, steht noch aus. Es könnte sich deshalb als teurer Risikomanagement-Ansatz erweisen, die Erinnerung an die letzten 2500 Jahre in den Wind zu schlagen.

Arndt Kümpel

www.trivero-edelmetallhandel.de

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Gold