Deutsche Bank: Fusions-Spekulation bleibt Kurstreiber

Bei Deutschlands noch grössten privaten Geldinstitut dominieren nach wie vor die Überlegungen zu einem möglichen Zusammenschluss mit der Commerzbank. Allerdings mehren sich die Stimmen, die solch einer Fusion kritisch gegenüberstehen.

Denn es klingt fast zu schön, um wahr zu sein. Von politischer Seite wurde diese Idee ins Rennen geschickt mit der Vorstellung, dass die grösste Volkswirtschaft in der EU auch eine tatsächliche deutsche Grossbank haben müsse, um die heimische Wirtschaft mit zu finanzieren. Das Problem dabei: Sowohl die Deutsche Bank als auch die Commerzbank stecken jeweils in tiefgreifenden Restrukturierungen und es dürfte selbst unter dem Aspekt, dass alles halbwegs reibungslos verläuft, noch Jahre dauern, bis hier ein Abschluss der Arbeiten gefunden wird...


Grosse Front der Ablehner

Über die Gründe des Abstiegs beider Institute haben wir schon in unseren Briefen ausführlich geschrieben. Und es bleibt bei unserer grundsätzlichen Einschätzung, dass zumindest zum jetzigen Zeitpunkt und in absehbarer Zeit eine Fusion nicht die Probleme der Wachstumsschwäche lösen würde, wie sie sich jetzt präsentieren.

Kein Wunder, dass die Front der Fusion-Ablehner auch inzwischen recht breit ist. Zuerst war es der Allianz-Chef, der einen Zusammenschluss nicht gut findet. Dann zeigten sich Vertreter des deutschen Mittelstands besorgt, dass solch ein Institut die Kreditversorgung der deutschen KMU erschwert, weil schlicht der Wettbewerb fehlen würde. Und ganz aktuell äusserten sich sogar Berater von Bundesfinanzminister Olaf Scholz negativ zu einer Fusion. 

Grossaktionär trommelt für Fusion

Auf der anderen Seite sorgte jüngst der US-Investor Cerberus für Aufmerksamkeit. Die Amerikaner waren 2017 mit 3 % bei der Deutschen Bank eingestiegen und hatten zuvor sogar 5 % an der Commerzbank gekauft. Keine guten Deals, wie man heute weiss. Allein bei der Deutschen Bank hat Cerberus momentan rund die Hälfte seines Investments buchmässig verloren. Dass die Amerikaner nun für eine Fusion trommeln, ist natürlich nachvollziehbar, weil man sich daraus entsprechende Effekte erhofft.

Aktie im Aufwind – wie lange noch?

Immerhin: Aktuell scheint die Rechnung an der Börse aufzugehen. Denn von ihren Tiefs bei rund 6,67 Euro Ende Dezember hat sich die Deutsche-Bank-Aktie inzwischen auf über 8 Euro verbessern können. Dies wird nun aus charttechnischer Sicht ebenfalls sehr interessant. Denn man ist wieder ans Jahreshoch bei rund 8,30 Euro herangekommen. Würde hier ein Ausbruch nach oben gelingen, wäre auch der langersehnte Ausbruch aus dem seit März bestehenden Abwärtstrend möglich, der derzeit bei rund 8,60 Euro wartet.

Die spannende Frage wird sein: Was passiert mit dem Wert, wenn sich die aktuellen Fusion-Spekulationen nicht erfüllen oder zumindest klar wird, dass hier über einen längeren Zeithorizont gedacht werden muss? Dann ist die Erholung nur mit neuen positiven Meldungen aus dem operativen Geschäft zu rechtfertigen. Doch die sind derzeit Mangelware.